Victorine Müller, Return, 2008, Foto: Simon Egli, © Victorine Müller.

Swiss Performance Practices that Investigate the Female Identity

Clarina Bezzola, Inside Out, 2005, Foto: David Byun, Courtesy Galerie Antje Wachs, © Clarina Bezzola.

Nives Widauer, Viennaloops (Sliding), Videostill, 2007, © Nives Widauer.

Manon, Einst war sie Miss Rimini, 2003, © Pro Litteris © VBK, Wien, 2008.

 

Kunsthalle Vienna
Project Space Karlsplatz
Treitlstraße 2
+ 43-1-52189-33
Vienna
Swiss Performance
September 17-November 4, 2008

Die Ausstellung Swiss Performance gewährt den BesucherInnen einen Einblick in die vielfältige zeitgenössische Performance-Szene der Schweiz. Im Mittelpunkt stehen fünf Künstlerinnen unterschiedlicher Generation, Haltung und Lebenssituation, deren Arbeiten alle die weibliche Identität und den weiblichen Körper thematisieren bzw. untersuchen. Die unterschiedlichen Haltungen dieser Schweizer Performance-Künstlerinnen, deren Inszenierung des weiblichen Körpers und seiner wechselnden Energien, reflektieren die Veränderung und Auflösung persönlicher und sozialer Zustände, Körper- und Subjektvorstellungen sowie -erfahrungen.

Den Auftakt jeder Ausstellung bildet eine Performance, deren künstlerische „Resultate“ in Form von Objekten, Fotos, Installationen und Videos im Anschluss als Relikte im Ausstellungsraum verbleiben. Im Wechsel von performativem Akt und installativer Präsentationen wird somit das Verhältnis von Prozess und Zustand, ephemeren Aktionen und bleibenden Objekten, künstlerischer Vergänglichkeit und Dauer ausgelotet.

Eröffnet wird die Performancereihe in der Kunsthalle Wien project space mit dem Projekt Inside-Out der in New York lebenden Künstlerin Clarina Bezzola. In installativen Performances verbindet die ausgebildete Opernsängerin Aktion mit Gesang, Text und Objektinstallationen. Inhaltlich kreisen Bezzolas Arbeiten um die Einschränkung und Isolation des Individuums bedingt durch gesellschaftliche Kontroll- und Machtmechanismen, durch deren Regeln und Normen.

Manon, Pionierin der Schweizer Performancekunst, hat in den 70er Jahren ihre Karriere begonnen. Sie beschäftigte sich bereits mit den Medien Performance, Installation und Fotografie bevor dies zum künstlerischen Alltag wurde. Indem sie ihren Körper instrumentalisierte, zum Objekt und Subjekt zugleich machte, stellte sie herkömmliche Darstellungsmuster des weiblichen Körpers immer wieder in Frage. In der Kunsthalle Wien werden, neben Fotodokumentationen und Archivmaterial früher performativer Arbeiten, die Fotoserie La dame au crâne rasé sowie die Dia-Installation Einst war sie Miss Rimini gezeigt, wo die Künstlerin das fiktive Schicksal einer ehemaligen chönheitskönigin durchlebt und unter anderem in die Rollen einer Nonne, einer Hure und einer Krebspatientin schlüpft.

Auch die Künstlerin Victorine Müller nimmt seit Anfang der 90er Jahre mit ihren „stillen Spektakeln“ eine eigenständige Position ein, die sich den gängigen Performancestrategien widersetzt. Ihre Performances sind eine Art „Living Installations“, in denen sie den eigenen Körper in einen Ausnahmezustand versetzt und zum temporären Teil ihrer Installation macht. Der eigene Körper wird umhüllt von einem kokonartigen Gerippe. Diese „zweiten Haut“ in Form eines Fantasiewesens oder einer geometrischen Figur symbolisiert eine Gleichzeitigkeit von Geborgenheit und Enge.

Die 1980 geborene Künstlerin Florine Leoni Münger tritt in der Kunsthalle Wien gemeinsam mit der Sängerin Faye Shapiro in der Performance Kristall auf. Gemeinsam entwickeln sie raumspezifische performative Mixmedia-Installationen, in denen sie durch das Zusammenspiel von Video, Objekt, Sound und Text intensive atmosphärische Raumgefühle evozieren – der Betrachter wird zwangsläufig zum Mitakteur.

Ihre konzeptuellen und installativen Arbeiten erweitert die in Wien lebende Künstlerin Nives Widauer ins Performative und tritt gleichzeitig als Darstellerin und Initiatorin in Erscheinung. Nives Widauer befasst sich in ihrem Projekt für die Kunsthalle Wien mit der jüngeren politischen, kulturellen und sozialen Geschichte Österreichs. Sie untersucht die Dualität des Politischen und Privaten und die Mehrdeutigkeit männlicher und weiblicher Klischees. Ihre Installation Das Österreichzimmer wird von der Rezitation der berühmtesten Reden der österreichischen Geschichte des 19. und 20. Jh. begleitet, die dann während der Ausstellung „karaokehaft“ von den Besuchern nachgesprochen werden können.

Alle Performances werden dokumentiert und während der Dauer der Ausstellung im slideshow Raum der Kunsthalle Wien project space gezeigt.

Kuratorin: Katarzyna Uszynska

Katalog
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag für moderne Kunst Nürnberg, deutsch/englisch, mit einem Vorwort von Gerald Matt, Interviews mit den teilnehmenden Künstlerinnen und einem Text von Katarzyna Uszynska.

Victorine Müller, Return, 2008, Foto: Simon Egli, © Victorine Müller.

Clarina Bezzola, Inside Out, 2005, Foto: David Byun, Courtesy Galerie Antje Wachs, © Clarina Bezzola.