Wolfgang Zurborn, Ohne Titel, Wolfsburg, 2001, © Wolfgang Zurborn

Wolfgang Zurborn, Cutting-up Reality, Bryon Gysin-Style, with a Camera

Wolfgang Zurborn, Ohne Titel, Peking, 2006, Lambdaprint, 142 x 106 cm, © Wolfgang Zurborn.

Wolfgang Zurborn, Lusionen, #32, Ludwigshafen 2003, © Wolfgang Zurborn.

Wolfgang Zurborn, Terra Incognita #08, Bielefeld, 2002, © Wolfgang Zurborn.

 

Deichtorhallen Hamburg
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Haus der Photographie
Wolfgang Zurborn –
Drift , Fotografien 1980-2006

May 7-August 16, 2009

Das Haus der Photographie zeigt die erste umfassende Werkschau des Fotografen Wolfgang Zurborn (*1956) unter dem Titel Drift – Fotografien 1980-2006. Neben dem als Monographie erschienenen Werkzyklus Drift und dem kürzlich publizierten Projekt China! Which China? als bibliophilen Leporello sind zum ersten Mal eine Auswahl der frühen Schwarzweißarbeiten (1980-1985) zu sehen, die die Herangehensweise des seit über 25 Jahre arbeitenden Fotokünstlers schon damals deutlich machen. Ingo Taubhorn kuratiert die Werkschau: „Ich kenne Wolfgang Zurborn seit seinem Fotografiestudium und habe seitdem seine Arbeit als Künstler intensiv verfolgt. Wie kein anderer deutscher Fotograf ist er über all die Jahre seiner persönlichen Bildsprache, die er von den ersten Schwarzweißarbeiten bis hin zu den komplexen Farbaufnahmen stetig weiterentwickelt hat, treu geblieben. In Bildkompositionen auf höchstem formalen Niveau werden wir zunächst mit einer Vielfältigkeit der Wirklichkeit konfrontiert, die auf dem zweiten Blick irritiert, weil sie sich nur aus Versatzstücken zusammensetzt, die nicht mehr auf reale Erfahrungen aufbauen. Wir sehen eine Welt aus zweiter Hand, so wie es Lewis Mumford schon 1952 formuliert hat.“ (Ingo Taubhorn)

Wolfgang Zurborns Fotografien zeigen die Welt in ausschnitthafter Form. Häufig ist der Blick verstellt, mehrere Ebenen werden zueinander in Beziehung gesetzt. Zurborn bezieht Spiegelungen, Schatten, Plakatwände mit in seine Bilder ein. Zweidimensionale Flächen durchbrechen den dreidimensionalen Raum, gemeinsam verdichten sie sich in der Fotografie wiederum zu einer Fläche. Das irritiert, weil sich das fotografische Ergebnis der einfachen Entschlüsselung widersetzt. In seinen Erkundungen der visuellen Oberflächen setzt Zurborn die optischen Gesetzmäßigkeiten der Kameraperspektive gezielt ein, um mit Ebenen der Schärfe und der Unschärfe weitere Gestaltungselemente ins Bild zu bringen. Der Bildraum fragmentiert sich auf diese Weise, Anschnitte und Farbkombinationen eröffnen ungewohnte Perspektiven. Die Fotografien laden dazu ein, in ihrer Vielschichtigkeit genau betrachtet zu werden.

In seiner fotografischen Annäherung an eine unbekannte Welt der hochkomplexen, in viele Parallelwelten verschachtelten Megacities Peking und Shanghai, besonders nach den Olympischen Spielen 2006, die die Visionen von Science-Fiction-Filmen wie Blade Runner Wirklichkeit werden lassen, findet Zurborn die Herausforderung, diese Welt in seiner Bildsprache umzusetzen, die das Unbekannte nicht in der Distanz des Exotischen hält, sondern im Fremden die Nähe aufspürt: „Die Welt erscheint mir in diesen Städten wie eine überdichte Collage aus Zeichen, Körpern und Räumen, eine Art semiotischer Overkill, den ich zunächst kaum für mich entschlüsseln kann.“ (Wolfgang Zurborn)

Wolfgang Zurborn, Ohne Titel, Lydd, 2002, © Wolfgang Zurborn.

Wolfgang Zurborn, Ohne Titel, Dortmund 1983, © Wolfgang Zurborn.

Wolfgang Zurborn, Ohne Titel, Peking, 2006, © Wolfgang Zurborn.

 

Wolfgang Zurborn, Ohne Titel, Peking 2006, Lambdaprint, 142 x 106 cm, © Wolfgang Zurborn